Angel
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Weihnachtswahnsinn

Wieso kann nicht schon der 27.12. sein? Oder zumindest der 24. Besinnliches Weihnachten ist ja eine schöne Sache, und ich mag auch die Abende mit der Familie, aber der Stress zuvor lässt die Vorfreude im grauen Nieselregen verblassen. Verwässerte Weihnachtsfreude, die Jahr um Jahr etwas mehr Festlichkeit einbüßt. Die Freude am 24. wird immer größer, aber nur, weil die Erleichterung proportional zum vorher geleisteten Stress zunimmt.

Zu Weihnachten bekomm' ich ein Magengeschwür, ob es dem Weihnachtsmann auch so geht?


Der chaotische Weihnachtsmann

Wo ist der bloß, der Gabensack?
Geschenke, Teddybär'n und Glocken.
Oh Gott, die Zeit wird langsam knapp.
Ich muss noch füll'n die Kindersocken.

Ich find den Schlittenschlüssel nicht.
Herrgott, die Mütz' ist auch nicht da!
Im Nacken sitzt ständig die Pflicht,
ich komm mit diesem Stress nicht klar!

Wichtel kann ich mir nicht leisten,
scheiß Gewerkschaftsforderungen,
"Schwarzarbeiter sind die meisten",
das behaupten böse Zungen.

Allein muss ich den Wagen füllen,
Zollpapiere nicht vergessen,
alles noch in Planen hüllen,
und den Mindestabstand messen.

Scheiße, was ist das jetzt wieder?
Eine Kufe ist verbeult!
Und statt engelsgleichen Liedern,
hört man nur noch mich, der heult.

Auf jetzt, Kinder woll'n Geschenke,
die Rush Hour sollte ich wohl meiden,
leise knacken die Gelenke,
das Wimmern kommt vom Nervenleiden.

So, jetzt bin ich unterwegs,
endlich können wir beginnen,
alles geht mit auf den Keks,
scheiß auf "festlich" und "besinnen".

Morgen geb ich mir die Kante,
nach dem Weihnachtsstressgeschisse,
streichel meine dicke Wampe,
oh, wie ich Weihnachten vermisse.

Danach füll ich dann nur noch eines,
nur mein großes Glühweinglas,
Kinderlachen will ich keines,
lieber noch 'ne volle Maß.

Und den Rest des Jahres dann,
werd ich Angestellte schicken,
Und warum? Weil ich es kann,
selber schuften kannste knicken.
23.12.11 12:25


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In der Wirtschaft ist die Lyrik auf der Strecke geblieben...

Anderswelt, zum Greifen nahe,
Schürt Zauber, macht besinnungslos.
Bringt Tänze uns mit Glanz und Farbe,
Macht Bettler prunkvoll und famos.

Märchenwelt, besiegt von Wissen,
Fühlen möcht ich dich bei mir,
Watteschnee als Ruhekissen,
Alles echt, im Jetzt und Hier?

Mystiktraum, in Nächten heller,
Scheint wohl durch der Welten Netze,
In dir vergeht mein Leben schneller,
Losgelöst von aller Hetze.

Geschichtenbuch, voll Kinderträumen,
Zartgewob'ne Dichterfäden,
Schaffen Ruhedunkelräume,
Hinter zugezog'nen Läden.

Wirklichkeit, banal geworden,
Ratio über'm Sternenglanz,
Willst du die Phantasie ermorden?
Traumgewand statt Firlefanz.

Kohle, Geld und all der Zaster,
Gleichsam wie ein böser Drache,
Stürzen uns ins Ich-Desaster,
Keiner hält der Seelen Wache.

Herzschmerz ist auf allen Wegen,
Die mit Leid gepflastert sind,
Bringen mir wohl kaum den Segen,
Den ich fand als träumend Kind.

Schüsse fall'n an allen Ecken,
Keiner greift zum Ritterschwert,
Diebe, Schurken, Wirtschaftszecken,
Wortgeflecht verliert an Wert.

Hab die Wahl ich armer Tropf?
Kann ich in der Traumwelt bleiben?
Nun, ich seh's in meinem Kopf,
alles and're könnt ich meiden.
24.11.11 19:41


Untote Liebe

Die Grenze der Befreiung,
Die uns lange Jahre furchteinflößend
In Kerker sperrte.
Kaum einer traute sich,
Auch nur einen Zeh darüber zu heben.
Klein und verlassen
Lebten... Liebten! wir orientierungslos!
Wie frei sind wir nun
Wie ungezwungen
Ich an den weißen Schleiern deines Kleides zu ziehen vermag.
Spielerisch tanzen wir durch den Nebel,
Den schaurigen Raum,
Das Geisterschiff.
Wir wissen nicht, wo wir sind,
Doch was macht es?
Du bist Ich und ich bin Du,
Wir können nicht sterben,
Der Tod uns nicht scheiden.
Wir sind Ewigkeit.
Sieh die Welt in meinen Augen,
Ich bilde sie für dich!
Als Heimstatt für deine verlorene Seele.
Finde mich, denn ich bin dir Heimat,
Wie du mir das Lied meines vergangenen Lebens.
Glückloses Leben,
Glückvoller Tod.
Die Ewigkeit in Zweisamkeit.
Was kümmern uns Moral und Aversionen?
Sie sind nichtig,
Nur Du und Ich,
Sind wichtig.
19.10.11 16:21


Die Brücke der gescholtenen Ehemänner

Von unserem Küchenfenster aus kann man direkt auf die Brücke schauen, die über die Mosel in die Innenstadt führt. Meistens sieht man dort nichts interessantes. Vorbeifahrende Autos, ab und an Spaziergänger, gelbe und blaue Alarmlichter, Motorräder und LKW's. Nichts besonderes, der alltägliche Wahnsinn.
Es macht Spaß gedankenverloren aus dem Fenster zu sehen, weil sich die Gedanken im eintönigen Bild so leicht verlieren können. Man läuft auch selten Gefahr etwas spannendes zu verpassen, denn es geschieht nichts. Ein Arzt-Wartezimmer direkt vor dem Fenster. Im Wartezimmer kann man sich müßig eine Zeitschrift mit dem neusten Klatsch und Tratsch ansehen, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen, denn man hat nichts besseres zu tun. Während dem Kochen aus dem Fenster auf die Brücke zu sehen ist genauso. Man muss sowieso warten bis das Nudelwasser kocht, es lohnt sich nicht, etwas anderes anzufangen, man hat aber auch ein paar Minuten, die der Topf ohne eine eingehende Beobachtung auskommt.
Heute bot sich ein graues Nieselregen-Bild mit wenig Verkehr. Keine Sirenen, keine Blaulichter in blau oder gelb, keine LKW's. Eine Sonntagsbrücke im Halbschlaf. Doch was ist das?
Ein einsamer Mann hat sich in seine Übergangsjacke gewickelt, den Kragen hochgestellt und den Schal bis unter die Nase übers Kinn geschoben. Er joggt in langsam-unwilligen Schritten über den farbwetter-angepassten Beton, den Blick niedergeschlagen zu Boden gerichtet. Sein Blick wie auch das Wetter - Niederschlagend. Ich frage mich, wieso er überhaupt bei dieser Stimmung aus dem Haus gegangen ist. Gewohnheit? Spaß? Hobby? Welche Gründe könnte es haben, dass ein erwachsener, gestandener Mann sich zum Herbstbeginn vor die Tür zwingt.
Nach einem Augenblinzeln kann ich es plötzlich sehen. Zuerst lässt es sich nur wage erkennen, nichts als ein feiner Schemen, der sich schimmernd von seiner Umwelt abhebt. Doch je genauer ich hinsehe, desto deutlicher wird er. Ich kann den Umriss einer Frau erkennen. Sie hat nicht die Schultern gebeugt wie der Mann, den sie so stillschweigend verfolgt. Sie läuft aufrecht, kraftvoll, energiegeladen. Das Kinn nach vorne gereckt, die Wirbelsäule gerade, die Augen aufmerksam auf den Rücken des Mannes gerichtet.
Ich merke kaum, wie ich mir die Nase an der Scheibe platt drücke, wische nur unwillig das Kondensationswasser weg, das sich durch meinen Atem gebildet hat, bevor ich die Hände wieder ans kühle Glas lege, als ob ich so noch näher an die Szenerie heranrücken könnte.
Jetzt kann ich es erkennen, der Mann wirft ab und an, kaum merklich, kleine Blicke nach hinten. Nur eine minimale Drehung des Kopfes, die Augen bis in die Winkel verdreht, um eine Umsicht auf die zurückgelegte Strecke zu erhaschen. Er weiß es! Er weiß, wer ihn verfolgt. Als mir das bewusst wird, kann ich eine leise Stimme im Kopf vernehmen, sie kommt von der Schemen-Gestalt. Woher kommt sie, wieso kann ich sie hier hören? Keine Ahnung, ich höre sie einfach. Eindringlich murmelt sie Worte, die ihren Mann vorwärts treiben. "Du drückst dich immer vor allem, wenn du auf der Arbeit bist. Du lässt mich alleine mit den Kindern. Ich muss den ganzen Haushalt schmeißen, während du dich im Büro vergnügst." Mit jedem schneidenden Wort werden die Schritte des Mannes ausgreifender und ich begreife, dass er sich auf der Flucht befindet. Er ist nicht freiwillig dort draußen, er wurde gezwungen von den schneidenden Sätzen seiner Gattin, die ihn zu Hause mit Vorwürfen überhäuft. Weder Hobby, noch Vergnügen treiben ihn an, der Motor ist seine Beziehung, seine Familie, sein Glück. Die Brücke ist seine Freiheit, seine Route 66 in den Sonnenuntergang. Er hat nur die Wahl zwischen den Vorwürfen und den Weg über den Fluss. Er wählt das kleinere Übel, die windige, kalte und regenschwere Brücke über die Mosel, die sich unter ihm träge und gelassen durch ihr Bett windet.
Staundend und mit offenem Mund beobachte ich das Geschehen. Wieso ist mir das vorher nie aufgefallen? Wie konnten mir diese Umstände entgehen? Ich habe die Hände wieder an das Glas gedrückt, als könne ich den Abstand zwischen mir und dem ungleichen Paar verkleinern. Ich will alles mitbekommen, doch der Mann läuft unbeirrt weiter, verfolgt von seiner Geliebten, seiner besten Freundin und Vertrauten, mit der er die Harmonie des Lebens teilen sollte, mit der er Kinder, kleine Wir's, in die Welt gesetzt hat, voller Vertrauen, dass sie sich zurecht finden und wohl fühlen.
Die beiden sind schon fast aus meinem Blickfeld verschwunden, zielstrebig verringern sie die Distanz zum Ufer, und egal wie dicht ich meine Wange an die Scheibe presse, ich kann sie bald nicht mehr sehen. Ich muss loslassen und werde mit meinen Gedanken und dem Nudelwasser allein gelassen. Nachdenklich gebe ich die Spaghetti in den Topf, immer noch gefangen von der Beobachtung, die so viel mehr gezeigt hat als einen einsamen Jogger an einem Herbsttag.
Die Nudeln sind im Wasser versunken, 12 Minuten habe ich mir erkauft, in denen ich wieder aus dem Fenster sehen kann. Sofort eile ich zurück, aber natürlich ist das Pärchen längst aus meinem Sichtfeld verschwunden.
Ich wende mich schon fast wieder ab, um die Soße zu kochen, als ich aus dem Augenwinkel eine Bewegung wahrnehme. Ein weiterer Mann. Er joggt nicht, er fährt auf einem dieser metallenen Tretroller. Aber seine Fahrt ist nicht schwungvoll, eher träge und resigniert. Ohne das geringste Anzeichen von Freude oder sonstigen Emotionen handelt er wie ein Roboter. Immer gleichmäßig stößt er sich mit dem Fuß ab, um sein Gefährt ein Stückchen nach vorne zu bringen. Die Hände liegen kraftlos auf dem Lenker, der Blick ist stur nach vorne gerichtet. Seine Umgebung scheint er gar nicht wahrzunehmen.
Gebannt schaue ich auf die Stelle hinter ihm und es dauert nicht lange, bis ich sie sehen kann. Mit schnellen Schritten eilt sie hinter ihm her, wirft die Arme immer wieder in die Luft, um ihre Argumente zu bekräftigen: "Wenn du nicht bald die fünf Kilo wieder abnimmst, dann finde ich dich einfach nicht ästhetisch genug, um mit dir zu schlafen. Der Bauch ist im Weg, früher war da noch ein Sixpack, wo ist das hin, das will ich wieder, also mach, dass du voran kommst!"
Gebannt starre ich auf die schattenhafte Gestalt, die ihren Mann vor sich her scheucht. Er schaut nicht zurück, er dreht den Kopf nicht, als wisse er genau, welcher Anblick ihn erwarten würde. Blind sein kann eine Erlösung sein, wenn man Angst hat vor dem, was man erkennen könnte.
Ich schüttle den Kopf, um zu überprüfen, ob ich in einem Tagtraum gefangen bin, doch ich kann beide genau sehen. Sie streben auf das andere Ende der Brücke zu, sie hätten dem anderen Pärchen eigentlich entgegenkommen müssen. Ob sie sich getroffen haben? Haben sich die Männer einen scheuen verzweifelten Blick zugeworfen, während sich die Schattenfrauen im Lauf HighFive gegeben haben?
Ich kann den Anblick kaum ertragen, bin fast froh, dass das Pärchen sich aus meinem Sichtfeld bewegt. Als ich sie nicht mehr sehen kann, fährt ein Fahrradfahrer über die Brücke. Er ist gehetzt, wirft den Blick nervös zu allen Seiten, tritt heftiger in die Pedale und beugt sich tief über den Lenker, um dem Wind zu entkommen. Nur dem Wind? Oder auch etwas anderem? Hinter ihm ist eine kleine Gestalt, flimmernd und im Dauerlauf. Sie motzt keckernd: "Fahr nur, fahr so schnell du kannst, mir entkommst du doch nicht. Komm nach Hause, ich warte auf dich und glaub mir, ich hab allen Grund sauer zu sein!"
Was diese geschundenen Männer wohl erwartet, wenn sie die andere Seite der Brücke erreichen? Werden sie ihre Ehefrauen abhängen können? Einen Moment des Friedens und der Ruhe finden, bevor sie sich der Begegnung wieder stellen müssen? Oder wird es eine ewige Flucht sein, bis sie erkennen, dass sie nicht weglaufen können, egal mit welchen Methoden sie es versuchen. Ob sie irgendwann begreifen, dass der Schatten nur ein Schemen ist, dass sie es selbst in der Hand haben?

Erschöpft, als wäre ich mit den Männern um ihr Glück gelaufen, drehe ich mich zum Herd um. Ich kann jetzt wirklich eine Mahlzeit gebrauchen, eine Stärkung und eine Ablenkung von diesen gruseligen Bildern. Von heute an werde ich mit anderen Augen auf die Brücke und ihre Passanten sehen.

Ich wünsche allen Flüchtlingen, dass sie ihr Asyl erreichen werden.
10.10.11 01:59


Die Nacht der skurrilen Begegnungen

Freitag Nacht... durchorganisiert bis zur letzten Sekunde. Ein Abend vollgestopft mit tollen Erlebnissen, so eng aufeinanderfolgend, dass keine Zeit bleibt für irgendwelche Unannehmlichkeiten... oder doch?

20:00 Uhr - wir beginnen mit einer Vorführung des Stückes "Der Besuch der alten Dame" von Friedrich Dürrenmatt. Der Kerl ist toll, das Stück auch, ich freu mir einen Wolf ans Bein. Im Theater angekommen treffen wir zunächst auf Leute, die ich aus meinem Stamm-Club kenne... das ist in der Tat schon skurril, denn damit hätte ich tatsächlich nicht gerechnet. Naja, egal, ab auf die kuscheligen Theatersitze, bequem machen, Handy aus und abwarten.
Das Stück beginnt, die alte Dame ist der Hammer... besser hätte man die Schauspielerin nicht wählen können... aber wo sind die grotesken Elemente? Wo sind die zwei kastrierten Falsch-Aussage-Zeugen... die Verfremdung im Konradsweiler Wald... die Fließband-abgekasperten Ehemänner? Man hat es geschafft aus dem Stück alles groteske herauszukürzen, so dass ein klappriges Skelett aus Handlung und Interpretationsmöglichkeiten übrig bleibt. Und es klappert in der Tat, denn Fleisch hat es nicht mehr auf den Rippen, der Geschmacksträger Fett ist wegreduziert worden, im Zeitalter des Schönheitsideals gibt es nicht nur Quark und Pudding, sondern auch Theaterstücke LIGHT!
Ich kriege Kopfschmerzen, vor meinen Augen flimmert alles... bitte nicht jetzt Migräne, bitte nicht!

Die Kopfschmerzen gehen nicht weg, das Augenflimmern schon... nach dem Theater hetzen wir zum Auto, fahren nach Hause und ich werf mich in die mittelalterlich angehauchten Ausgehklamotten. In Taberna wartet auf mich, ein Abend voller Spaß, Met, Tanz und Mittelalter-Folk-Rock. Noch eine halbe Ibuprofen, um das Hämmern einzudämmen und los! Die Druckkammer ist voll, ich begrüße mich durch die Reihen nach unten, wo ich kreischend der nächsten Bekannten in die Arme falle. Während ich ihr beim Umarmen über die Schulter schaue, sehe ich direkt mir gegenüber einen meiner Philosophie-Dozenten und erstarre zu einer Salzsäule.... Oh Gott! Wie peinlich, was macht er denn hier? Wie seh ich aus? Bin ich ordentlich angezogen? Schminke nicht übertrieben? Keinen Alkohol in der Hand?
Ich überlege kurz und komme zu dem Schluss: Nicht nur ich bin hier, sondern auch er. Wir sitzen quasi im selben Boot. Okay, er ist ordentlich gekleidet, hat nicht mit der Schminke übertrieben und ob er Alkohol getrunken hat kann ich nicht erkennen. Also brav guten Tag sagen und in der Masse der Tanzwütigen verschwinden.
Bald folgt:

Skurrile Begegnung Nummer 1:

Will und ich gehen spazieren, in der DK ist es heiß und laut, wir wollen uns unterhalten, also ab ans Moselufer. Auf dem Rückweg hält ein Wagen neben uns. Aha, verlorene Touris, wir helfen gerne, kein Problem. Der Wagen hält an, das Mädel auf dem Beifahrersitz winkt uns, wir wundern uns. Vorsichtig winke ich zurück, warte aber eigentlich darauf, dass die Scheibe heruntergelassen wird. Wird sie aber nicht. Unerwartet gibt der Fahrer Gas und lässt uns im nicht rieselnden Regen stehen. Jetzt sind wir die verlorenen... wenn auch nicht Touris.

Na, nichts dabei denken, weitergehen. Die Nacht wird noch sehr spaßig, der Morgen graut und die Feiernden bekommen pünktlich wie die Maurer Lust auf einen McDonalds-Burger. Will, Tom und ich entschließen uns zu Fuß zum Bahnhof zu gehen. Ein bisschen frische Luft und Bewegung tun ganz gut nach mehreren Stunden Tanzen auf hohen Schuhen... moment mal, jetzt weiß ich auch wo die Blasen herkommen!
Es naht:

Skurrile Begegnung Nummer 2:

Eine Punk-Goth-Emo-Dame stürzt in einer Gasse auf uns zu und blubbert hektisch die Frage heraus: "Kommt ihr aus der DK?" Wir bejahend und warten auf einen Folgesatz. Es kommt keiner... wir sind verwirrt. Wir hätten einen erwartet. Wir wollten einen Folgesatz, wir haben ein Recht auf ihn. Man kann doch nicht einfach Fragen stellen und dann gehen, wenn man die Antwort hat?! Das geht doch nicht!

Etwas desorientiert wandern wir weiter, unterhalten uns über die vergangene Party, machen Witze und lachen. Hinter uns brüllt es und wir erleben:

Skurrile Begegnung Nummer 3:

Typ: "Ey, habt ihr mal eine Zigarette?"
Wir: "Hm, nee, wir rauchen alle nicht."
Typ: "Ah, okay, ich hab ja eigentlich auch aufgehört."
Wir: "Das ist sehr löblich, und auch viel gesünder."
Typ: "Hab deswegen sechs Kilo zu- und zwei wieder abgenommen."
Wir: "Aha, aha."
Typ: "Aber jetzt gib mir doch mal eine Zigarette."
Wir: "Äh, wir rauchen immer noch nicht... als Nichtraucher hat man keine Zigaretten."
Typ: "Achso, na, ihr seid ja locker drauf. Kann ich mit euch zum Bahnhof gehen?"
Wir: "Klar, warum nicht?"

Der Typ kommt mir immer näher, ich versuche den Abstand beizubehalten indem ich nach links ausweiche, dummerweise kratzt mein linker Arm schon an den Schaufenstern.

Typ: "Ich will ja nicht rüberkommen wie ein Junky, aber wollt ihr ein bisschen LSD?"

...

Ruka macht einen Satz an Williams Seite, hakt sich bei ihm unter und raunt ihm ins Ohr: "Hilfe!"
Tom macht den Mund auf, grübelt kurz und schließt ihn wieder.
William sieht Ruka mit einem undeutbaren Blick an.

Typ: "Nee, kein Problem... also eigentlich bin ich ja auch total erkältet."
Wir: "Vielleicht solltest du dann lieber ins Bett gehen?"
Typ: "Nee, nach zwei Nasen merkt man das nicht mehr."
Wir (vorsichtig): "Nasen?"
Typ: "Ja, ich hab mir zwei Nasen und ein Ding reingezogen."
Ruka: "Aber gut, dass du mit dem Rauchen aufgehört hast."

In diesem Moment kommen wir am Bahnhof an, Adrian ist mit dem Auto auch soeben erschienen, ich zerre an William und werfe dem Typen einen bösen Blick zu: "Wir müssen jetzt los, unsere Freunde sind da."

Im McDonalds war es gewohnt eklig. Nachdem Tom ein wirklich widerliches schwarzes Drahthaar in seinem Burger gefunden hat und kurze Zeit später in meinem auch eins auftauchte, wollte ich nur noch eins: Nach Hause. Also schleppte ich Andy und Tom nach draußen, wir haben den gleichen Heimweg, also los.

Gleicher Weg zurück, an der Kreuzung, wer hätte das geahnt:

Skurrile Begegnung Nummer 4:

Ein Mann mittleren Alters, nicht ganz heruntergekommen, aber auch nicht ganz gepflegt, schiebt einen Einkaufswagen mit Plastiktüten durch die Gassen. Als er uns sieht, stellt er sich in unseren Weg und fragt:
"Wollt ihr einem etwas seltsamen Typen eine Zeitung abkaufen?"
Ich rolle mit den Augen, endet diese Nacht denn nie? Andy bleibt stehen, er hat ein gutes Herz und fragt, welche Zeitungen zur Verfügung stehen.
Der Zeitungsverkäufer zieht einen Schlüsselanhängerhasen aus der Hosentasche, hält ihn in Augenhöhe und verkündet:
"Das hier ist Frau Mona, Frau Mona wird euch erzählen, was wir haben."
In gleicher Männerstimme lässt er nun Frau Mona reden. Ich überlege, ob der arme Hase vielleicht eine Hormontherapie machen sollte oder ob es sich vielleicht um einen Hermaphrohasen handeln könnte.
"Also wir haben hier diese Zeitung *hält einen Kölner Stadtanzeiger hoch* und würden sie euch für 3,50 Euro verkaufen."
Ruka: "Das ist eine Zeitung aus Köln, aber wir sind hier in Koblenz..."
Mona: "Ja, da stehen auch Sachen aus Koblenz drin."
Andy: "Drei Euro fünfzig ist aber ein bisschen teuer."
Der Hase wird vor die Zeitung gehalten.
Mona: "Also, weil Mona gerade gesehen hat, dass die Zeitung von September ist, machen wir 2,50 draus."
Ruka: "Du willst uns einen Kölner Stadtanzeiger für 2,50 verkaufen, der schon abgelaufen ist?"
Mona: "Na, na, der September geht ja noch eine Weile."

Andy handelt den Mann runter auf 1,50. Das ist ein akzeptabler Preis, allerdings hätte ich den auch bereitwillig gezahlt, damit er seine Zeitung behält und wir weiterlaufen können. Naja, das ist eben der Unterschied zwischen Andy und mir. Er hat ein gutes Herz, ich hab kalte Füße.

Die beiden machen noch einige Wortwitze, bevor Ruka unwillig dazwischenruft: "Ich will nach Hause!"

Sofort werden alle Gespräche abgebrochen und wir gehen weiter. Ein bisschen verwundert bin ich schon, dass das so einfach funktioniert hat.

Genau fünf Schritte weiter wartet:

Skurrile Begegnung Nummer 5!

Typ: "Ey Tschuldigung....." *wird unterbrochen von Ruka*
Ruka: "Nein, wir haben KEINE Zigaretten. Und wir wollen auch kein LSD kaufen. Deine Zeitung kannst du dir an den Hut stecken und wenn du irgendwas von einem Hasen erwähnst, dann geh ich an die Decke!"
Typ: "LSD? Um Gottes Willen...."

Der Rest geht unter, denn ich hetze weiter. Ich bin müde, mir ist kalt, ich will nach Hause. Mir sind wirklich zu viele seltsame Menschen unterwegs, die so tun als wären sie normal und sich dann als skurrile Begegnung entpuppen.

Zu Hause angekommen, verschnaufe ich und bin froh, dass nur bekannte Gesichter zu sehen sind. Eigentlich sind gar keine Gesichter zu sehen, denn es ist viertel nach sieben und alles schläft friedlich.
Die einzige Begegnung, die ich hier noch zu erwarten habe, ist die zwischen meinem Kopf und dem weichen Kissen, das weder redet, noch raucht.
26.9.11 12:17


Brainfuck

Immanuel Kant. Einer der ganz großen Namen, die einem schon in der Wiege als bildungsrelevant eingeflüstert werden. Statt der Oma fliegen mit den Kellogs Wissenschaftler in den noch fröhlichen Kindermund.

"Ein Löffelchen für die Mama.... *brumm* Eeeeein Löffelchen für den Papa... *brruuuumm* Eeeeiiin Löffelchen für den Onkel Kant... *bruuummm* Eeeeein Löffelchen für Pytagoras *brummbrumm*"

Und heute fahren die großen Namen nicht mehr in Form von Nahrung in den Kopf, sondern als verdichtete und geballte Informationsbündel. Wie diese Getreidetaschen, die man inzwischen zum Frühstück bekommt. Keine popligen Flocken mehr, sondern ganze Taschen mit einer lecker-süßen Schokofüllung. Von außen sieht alles gesund aus, Vollkorngetreide mit einem Hauch Puderzucker, aber im Inneren liegt die ganze Versuchung, von der man, genießt man sie in zu hohem Maße, dick, krank und träge wird. Vergleichbar mit der gängigen Methode, die Eltern davon zu überzeugen, dass man relevante Lektüre liest, obwohl sich hinter dem Arithmetik-Umschlag ein Donald-Duck-Comic verbirgt.
Nun haben wir also unsere gesunde Vollkornhülle in Form von Kants Kritik an der reinen Vernunft. Voller Erwartung schieben wir uns das schmackhafte Päckchen in den Mund, gespannt auf die Geheimnisse, die es in sich verbergen mag.
Doch kaum hat man das gesundheitsfördernde Hüllenpäckchen mit scharfen Zähnen durchtrennt, ahnt man, dass man auf einen Weg getreten ist, von dem es keine Wiederkehr gibt. Jetzt kann man nicht zurück, man kann nur entscheiden, ob man lieber anhält oder sich traut noch ein wenig weiterzuwandern. Ausspucken oder kauen? Die Schokolade fließt auf die Zunge, regt die Geschmacksnerven an und verspricht ein unsagbares Vergnügen, einen Genuss, von dem man regelrecht spüren kann, wie er in den Organismus gelangt, die Energien antreibt, und gleichzeitig die gefährliche Produktion von Fett fördert, das sich überall niederlässt, die Gefäße verstopft und schlussendlich alles zum Einhalten gebietet. Doch trotz des Bewusstseins dieser Gefahr, schiebt man jegliche Vernunft zur Seite und geht einen weiteren Schritt, ein weiterer Biss, mehr Schokolade fließt in den Mund, mehr Thesen sickern ins Gehirn und verankern sich in den Windungen, krallen sich mit schmerzhaft nadelartigen Krallen fest und nagen sich ins Zentrum des Bewusstseins. Einmal dort angekommen, jubilieren sie lautstark, entkorken Tonnen an Adrenalinflaschen, die sie ungehemmt in den Organismus schütten, auf dass ein Schauder durch den Körper geht. Mit der Erkenntnis kommt Pleasure. Die Schokolade des Geistes ist in den Kreislauf gekommen, in Form kleiner Botenstoffe, die sich vom Denken auf den Körper übertragen und alles mitreißen, was sich finden lässt.
Härchen stellen sich auf, Gänsehaut bildet sich an den Armen, der Schweiß des Begreifens dringt aus den Poren, das große Zittern beginnt, denn man weiß, dass man den Schritt über den Abgrund gewagt hat. Wie in einem Comic steht man nun über dem Abgrund, unsicher, ob man von der Schwerkraft ins zerstörende Nichts gerissen wird, oder ob man es schafft eine sichere Brücke unter den schwebenden Füßen zu bauen, die einen sicher auf festen Boden zurückträgt.
Die Versuchung des Geistes, nicht minder gefährlich, als die Versuchung des Körpers. Nicht weniger infektiös als eine der verbreiteten Krankheiten, die den Körper langsam ausmergeln, gegen sich selbst wenden und langsam dem Zwielicht des Todes übereignen. Ein kleiner Schritt liegt zwischen Erkenntnis und Wahnsinn, Brücke und Absturz, Sicherheit und Gefahr.
Ich bin ein Rebell, der sich wagt, Grenzen zu überschreiten, aus der Geborgenheit des stumpfen Wissens auszubrechen, um sich über die Welt zu erheben und aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten, nur um dann wieder abzustürzen und zu erkennen, dass man nur geträumt hat, den eigenen Geist nie verlassen hat, da man in ihm eingekerkert dahinvegetiert. Wie ein Vogel in einem Käfig, die Freiheit erahnend, das Werkzeug an sich tragend und doch unfähig sich in die Lüfte zu erheben, da die Stangen ihn binden. Ab und an erhascht er einen Blick auf die Straße hinter den Gittern, hinter dem Glasfenster, auf eine Welt, die so viel mehr bietet als das Innere, an dass er gebunden ist. Dann erhebt sich ein Singen und Jubilieren, ein Freuen, ein Jubelschrei an den Garten Eden, der sich in all seiner Pracht darbieten möchte, der bereit ist, sich zu zeigen und den kleinen Vogel in sich aufzunehmen.
"Komm Vogel, komm, ich bin bereit für Dich. Ich erwarte Dich. Ich biete Dir mich und Dich und noch viel mehr. Komm!" lockt er.
Und dann wird der Vorhang wieder zugezogen, Das Singen verstummt, das Köpfchen neigt sich in der Erkenntnis des Verlorenen dem Käfigboden entgegen. Ergeben faltet es die erwartungsvoll geweiteten Schwingen wieder an den Rücken und hüpft ungelenk an den Wassernapf, um die angestrengte Kehle zu befeuchten.
Die Schokolade ist aus dem Päckchen geflossen, das Getreide zersetzt, alles geschluckt und nichts bleibt, als ein fahler Nachgeschmack von der Chemie, die einem vorkaukelte, man habe die Süße der Schokolade gekostet.
Nichts bleibt, außer dem Wissen, dass man für einen Augenblick der unbändigen Freude ein großes Risiko auf sich genommen, dem Körper schadet und der Vernunft gespottet hat.
Angewidert schiebe ich mein Frühstück von mir, bereit nun zum Vollkornbrot mit Käse zu greifen. Light natürlich, keine Butter.
4.7.11 15:12


Neulich im Chat...

NiceGuy: sorry hab mir nen filmchen angesehen vom Ipad2
Du: Danke, mir geht es auch gut
NiceGuy: ich glaub ich hols mir nicht
NiceGuy: ^^
Du: Das ipad2?
NiceGuy: freut mich zu hoeren suesse
Du: Ist eh nur Spielerei
NiceGuy: ja das 2
NiceGuy: 64 GB wifi 3g
NiceGuy: aber gut, leicht und sexy
Du: Das bin ich auch und mich will auch keiner
Du: Kein Argument
1.7.11 23:11


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